
Aus dem Leben eines Bücherwurms
Ich überlege gerade, ob es wichtig ist mitzuteilen, wann und wo ich geboren bin. - Und ich denke: Ja, unbedingt! Diese Frage ist für die Arbeit eines Autors sogar ziemlich wichtig. Gewissermaßen lebt er von seiner Herkunft, die sich mehr oder weniger versteckt in einigen Geschichten, Gedichten und Rätseln wiederfindet. Wenn salziges Wasser und glitschige Fische in immer neuen Variationen auftauchen, ist der Autor natürlich kein Wassermann, aber möglicherweise an einem Meer groß geworden. Bei mir war es die Ostsee, genauer gesagt: Rostock.
Aber wie kommt man nun zu Gruselgeschichten?
Auch das hat mit dem Meer zu tun. Auf der Suche nach Muschelschalen, versteinerten Seeigeln oder Donnerkeilen vergaß ich regelmäßig die Zeit. Ich suchte am Strand bis es dunkel geworden war. Aber wie sollte ich jetzt nach Hause kommen? Allein, im Dunkeln ohne Taschenlampe, durch einen dichten Wald, der sich entlang der Küste erstreckte. - Da musste ich durch! Sagenhaft, was man da alles zu hören und zu sehen glaubt: Wildschweine, Wölfe, Bären, Räuber, Mörder, Monster, Zwerge, Riese und was weiß ich nicht noch alles. Aber immer bin ich wohlbehalten aus dem Wald gekommen - zwar mit zerzausten Haaren und verschreckten Augen, groß und rund wie die einer Eule, aber immerhin. Deshalb gehen meine Gruselgeschichten eigentlich immer gut aus.
Ich heiße Frank Kreisler. Bücher faszinierten mich schon immer. Ich habe mit Büchern gearbeitet: in einer Buchbinderei, in einer Bibliothek. Gelesen habe ich so ziemlich alles, was mir zwischen die Finger kam. Geschrieben habe ich anfangs vor allem Gedichte, später sind Geschichten und Romane dazugekommen. Von 1990 bis 1993 studierte ich am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Seither ist Schreiben mein Beruf.
Ich wohne in Leipzig.
